Welches iPhone ist wasserdicht?

Viktor Dite, Autor des Beitrags

Von - Publiziert in iPod & iPhone
Dipl. Informatiker und Tech-Blogger seit 2006.


Kein iPhone ist wirklich wasserdicht, auch nicht das neue iPhone 17 mit seiner IP68-Zertifizierung. Es gibt einen Unterschied zwischen „wasserdicht im Apple Marketing“ und „wasserdicht in Deinem Alltag am Pool“. Der Unterschied kostet Dich im Ernstfall eine Reparatur, die Apple nicht übernimmt. Hier erfährst Du, welches iPhone wie geschützt ist, was Du tun musst wenn es schon passiert ist, und womit Du diesen Sommer ohne Reue davonkommst.

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Dein iPhone ist gerade ins Wasser gefallen? Das machst Du jetzt

Pool, Spüle, Toilette, Regen, Badewanne: Egal. Die ersten Minuten entscheiden.

  1. Sofort rausholen. Jede Sekunde im Wasser erhöht das Risiko, dass Flüssigkeit durch gealterte Dichtungen eindringt.
  2. Abtrocknen, nicht schütteln. Schütteln treibt Wasser tiefer ins Gehäuse und ist genau das Gegenteil von hilfreich.
  3. Alle Kabel ziehen. Besonders den USB-C- oder Lightning-Anschluss. Strom plus Wasser verursacht den eigentlichen Schaden.
  4. Nicht einschalten oder weiternutzen, wenn möglich. Warte ab.
  5. Mindestens 5 Stunden trocknen lassen, bevor Du wieder lädst oder Zubehör anschließt. Das ist Apples offizielle Anweisung.
  6. Nicht in Reis legen. Das ist Mythos. Reisstaub verstopft die Lautsprecher und hilft nicht beim Trocknen.
  7. Nicht föhnen. Hitze zerstört die Dichtungen dauerhaft und macht den nächsten Wasserkontakt noch riskanter.

Im Zweifel einen autorisierten Apple Service Provider aufsuchen, auch wenn das iPhone äußerlich funktioniert. Der Grund dafür steht weiter unten beim Thema Liquid Contact Indicator.

Welches iPhone ist wie wasserdicht? Die Modell-Tabelle

Modell IP-Klasse Laut Apple Was heißt das im Alltag
iPhone 17, iPhone Air, iPhone 17 Pro & Pro Max IP68 6m, 30 Min Regen kein Problem, kurzer Sturz in die Spüle meist überlebbar. Pool, Meer, Dusche: nein.
iPhone 16 & 16 Plus, Pro & Pro Max IP68 6m, 30 Min Wie iPhone 17. Apple hat den Schutz seit dem iPhone 12 nicht mehr verbessert.
iPhone 15 & 15 Plus, Pro & Pro Max IP68 6m, 30 Min Wie oben.
iPhone 14 & 14 Plus, Pro & Pro Max IP68 6m, 30 Min Wie oben, bei 2+ Jahre alten Geräten Vorsicht wegen Dichtungsalterung.
iPhone 13 & 13 mini, Pro & Pro Max IP68 6m, 30 Min Wie oben, Dichtungen altern.
iPhone 12 & 12 mini, Pro & Pro Max IP68 6m, 30 Min Wie oben, Dichtungen altern.
iPhone 11 Pro & Pro Max IP68 4m, 30 Min Spritzwasser ok, kein absichtliches Eintauchen. Wegen Alter höheres Risiko.
iPhone 11, XS, XS Max IP68 2m, 30 Min Nur Spritzwasser. Bei diesem Alter faktisch kaum noch Schutz.
iPhone 7, 7 Plus, 8, 8 Plus, X, XR, SE 2. & 3. Generation IP67 1m, 30 Min Tropfwasser und kurzer Regen ok, nicht absichtlich eintauchen.
iPhone 6s, 6s Plus, 6, 6 Plus, SE 1. Generation, 5S und älter keine Trocken halten, jeder Tropfen ist Risiko.

Die Werte in der dritten Spalte sind Apples Laborwerte. Die vierte Spalte ist das, was Dir ehrliche Service-Techniker auch sagen würden. Warum die zwei Spalten nicht dasselbe sind, erkläre ich jetzt.

Das große ABER: Was Apple Dir nicht auf den ersten Blick sagt

Die IP68-Werte gelten nur unter Laborbedingungen

Apple testet IP68 mit stillem Süßwasser bei Raumtemperatur. Was explizit nicht abgedeckt ist:

  • Salzwasser am Meer. Salz kristallisiert in den Dichtungen und frisst sich hinein.
  • Chlorwasser im Schwimmbad. Greift Klebungen und Dichtungsmaterial an.
  • Seifenlauge in Dusche oder Spülbecken. Senkt die Oberflächenspannung, das Wasser findet neue Wege ins Gehäuse.
  • Heißes Wasser oder Wasserdampf (Dusche, Sauna, Dampfbad). Die Dichtungen sind für Raumtemperatur ausgelegt.
  • Schnell bewegtes Wasser (Wasserski, SUP-Sturz, starker Wasserstrahl). Der Druck ist höher als im Stilltest.

Dichtungen altern unsichtbar

Die Wasserdichtigkeit lässt laut Apple durch normale Abnutzung nach. Nach zwei bis drei Jahren hat ein iPhone praktisch nicht mehr den Schutz vom ersten Tag. Nach einem Sturz aufs Display oder einer Reparatur erst recht. Du merkst das nicht, bis es zu spät ist.

Der Liquid Contact Indicator

In jedem iPhone ist ein Liquid Contact Indicator verbaut, ein kleiner Streifen der sich bei Kontakt mit Flüssigkeit dauerhaft verfärbt. Bei jeder Einsendung oder Reparatur prüft Apple diesen Indikator. Verfärbt heißt Wasserschaden. Garantie abgelehnt, auch wenn das iPhone noch funktioniert.

Das ist der Grund, warum „ich habs ja nur kurz im Wasser gehabt und es geht noch“ keine tragfähige Strategie ist. Apple sieht es trotzdem.

Garantie und AppleCare+

Flüssigkeitsschäden sind von Apples normaler Garantie ausgeschlossen. AppleCare+ deckt unabsichtlichen Kontakt mit Wasser gegen Servicegebühr ab. Absichtliches Eintauchen (Pool-Sprung, Unterwasserfoto-Versuch, Aquarium) ist auch mit AppleCare+ nicht versichert. Im Zweifel zahlst Du selbst.

Apples eigene Aussage

Apple sagt zur Frage „ist das iPhone wasserdicht“ ganz eindeutig: Du sollst das iPhone nicht absichtlich in Wasser eintauchen und Du sollst nicht mit dem iPhone schwimmen oder baden gehen. Der Schutz sei zwar da, könne aber durch Beschädigungen und normale Abnutzung nachlassen. Flüssigkeitsschäden werden nicht von Apples Garantie übernommen.

Sommer und iPhone: Entscheidungshilfe nach Situation

Regen im Biergarten oder auf dem Fahrradweg? Jedes iPhone ab IP67 (also alles ab iPhone 7) ist unproblematisch. Kurz abwischen, weiterleben.

Pool oder Freibad mit Kindern, iPhone dabei? Wasserdichte Hülle für zweistelligen Eurobetrag kaufen. Das iPhone nackt an den Pool zu bringen ist Glücksspiel, das Du meistens gewinnst und einmal verlierst.

Strand, Meer, Dünen? Doppelt gefährlich durch Sand plus Salz. Hülle verwenden, Lanyard gegen Runterfallen, abends den Ladeport mit einem leichten Pusten freimachen. Niemals mit Zahnstocher, Büroklammer oder Nadel im Port herumkratzen.

SUP-Board, Kajak, Kanu oder Boot? Wasserdichte Hülle plus Lanyard-Pflicht. Der Sturz ins Wasser passiert schneller als Du reagieren kannst.

Duschen mit Musik? Wasserdampf plus Seife setzen die Dichtungen zu. Ein Bluetooth-Lautsprecher kostet 20 Euro, eine Display-Reparatur das Zehn- bis Zwanzigfache.

Schwimmen oder Unterwasserfotos? Nein, nicht mit dem iPhone. Dafür gibt es dedizierte Unterwassergehäuse mit geprüftem Druckschutz. Das iPhone selbst ist kein Tauchgerät, auch wenn YouTube das gelegentlich anders suggeriert.

Unfreiwilliger Sturz in Toilette oder Spülbecken? Unschön, meistens aber überlebbar. Sofort-Hilfe siehe oben.

Häufige Folgen nach Wasserkontakt

Lautsprecher klingt dumpf, Mikrofon versagt

Apple empfiehlt: Lege das iPhone mit dem Lautsprecher nach unten auf ein fusselfreies Tuch und warte, bis die Flüssigkeit verdunstet ist. Die Leistung kehrt zurück, wenn das Gerät komplett trocken ist. Das kann mehrere Stunden dauern.

„Flüssigkeit im USB-C-Anschluss erkannt“

iOS zeigt diese Warnung und blockiert das Laden automatisch. Anweisung: Kabel abziehen, mindestens 5 Stunden warten. Nicht mit Druckluft auspusten und nicht mit Tuch oder Wattestäbchen rauskratzen, das kann die empfindlichen Kontakte beschädigen.

Ghost-Touches und Displayprobleme

Feuchtigkeit unter oder vor dem Display lässt das iPhone wie von Geisterhand bedient werden. Meist löst sich das beim Trocknen. Wenn es nach einem Tag noch auftritt, ist es ein Reparaturfall.

Akku lädt langsam oder gar nicht mehr

Ein klassisches Spätfolgen-Symptom. Wenn es Wochen nach dem Wasserkontakt auftritt, wird der Zusammenhang oft nicht mehr erkannt, der Liquid Contact Indicator verrät ihn aber trotzdem.

Die Entwicklung des Wasserschutzes bei Apple

Apple hat beim iPhone 6s angefangen, Gehäusedichtungen und Silikonüberzüge zu verbauen, ohne dies offiziell zu zertifizieren. Richtig wasserfest im IP-Sinne wurden die Geräte erst mit dem iPhone 7 (IP67). Das iPhone XS brachte IP68 mit 2 Metern, das iPhone 11 Pro erhöhte auf 4 Meter, und seit dem iPhone 12 ist der Wert bei 6 Metern für 30 Minuten eingefroren. Bis zum iPhone 17 hat sich daran nichts geändert. Apple verbessert den Wasserschutz seit vier Generationen nicht mehr spürbar, was auch heißt: Der Fokus liegt offensichtlich woanders.

Wasserdichtigkeit im Test (Videos)

In diesen beiden Videos auf meinem YouTube-Kanal zeige ich die Diskrepanz zwischen Apples Marketing und dem Verhalten am Wasser im Alltag:

Sind die neuesten iPhone wasserdicht?
Welches iPhone ist Wasserdicht?

Was bedeuten die Ziffern bei den IP-Zertifizierungen?

IP-Schutzklassen Definition der Ziffern

Erste Ziffer (Staubschutz): 0 – kein Schutz 1 – Geschützt gegen feste Fremdkörper (Durchmesser ab 50 mm) 2 – Geschützt gegen feste Fremdkörper (Durchmesser ab 12,5 mm) 3 – Geschützt gegen feste Fremdkörper (Durchmesser ab 2,5 mm) 4 – Geschützt gegen feste Fremdkörper (Durchmesser ab 1,0 mm) 5 – Geschützt gegen Staub in schädigender Menge 6 – Staubdicht

Zweite Ziffer (Wasserschutz): 0 – kein Schutz 1 – Schutz gegen senkrecht fallendes Tropfwasser 2 – Schutz gegen fallendes Tropfwasser bei Gehäuseneigung von 15° 3 – Schutz gegen fallendes Sprühwasser bis 60° gegen die Senkrechte 4 – Schutz gegen allseitiges Spritzwasser 5 – Schutz gegen Strahlwasser (Düse) aus beliebigem Winkel 6 – Schutz gegen starkes Strahlwasser (bspw. beim Duschen) 7 – Schutz gegen zeitweiliges Eintauchen (30 Minuten bei 1m Tiefe) 8 – Schutz gegen dauerndes Eintauchen (z. B. 30 Minuten bei 2m bis 6m Tiefe)

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Credits: Photo by Carlos Santiago on Unsplash


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