VLOS fliegen mit FPV Drohnen: was ändert die neue EU-Drohnenverordnung?

Die neue EU-Drohnenverordnung trat am 31.12.2020 in Kraft und hat zahlreiche Änderungen ggü. der alten Drohnenverordnung von 2017 mitgebracht – auch für den Flug von FPV Drohnen per VR Brille.

Was bedeutet die neue EU-Drohnenverordnung für den Drohnenflug von FPV Drohnen?

Die neuen Gesetzestexte lesen sich erstmal so, als würde der Flug von FPV Drohnen nur noch über Privatgelände möglich sein. Wenn man jedoch in den offiziellen Dokumenten etwas tiefer gräbt, erfährt man sogar ein paar Vorteile. So habe ich einen offiziellen Beweis dafür gefunden, dass Du mit einer FPV Drohne nun auch außerhalb des Sichtbereichs des Piloten auf 120m Höhe fliegen kannst.

Aber ein wichtiger Disclaimer vorweg! Diese Beitrag stellt keine Rechtsberatung dar, sondern nur meine aus eigenem Antrieb recherchierten Ergebnisse. Sollten sich Änderungen ergeben, werde ich dies in Form von Updates hier im Beitrag mit euch teilen.

Doch fassen wir zunächst mal die die Fakten zusammen.

Zum 31.12.2020 traten die Europäischen Betriebsvorschriften für unbemannte Luftfahrtsysteme in Kraft. Das EU-Recht ist in Deutschland unmittelbar gültig und verdrängt automatisch anderweitiges nationales Recht.

Bisheriges nationales Recht mit Ausnahmen für FPV Drohnen

Im bisherigen nationalen Recht der LuftVO, also der Luftverkehrsordnung, war das Fliegen ohne Sichtverbindung normalerweise gänzlich verboten. Das bisherige Recht sah aber eine Ausnahme für FPV im §21b vor. Dort lautet die bisherige Ausnahme wie folgt:

Als nicht außerhalb der Sichtweite des Steuerers galt der Betrieb eines unbemannten Fluggeräts mithilfe eines visuellen Ausgabegeräts, insbesondere einer Videobrille, wenn dieser Betrieb in Höhen unterhalb von 30 Metern erfolgt und die Startmasse des Fluggeräts nicht mehr als 0,25 Kilogramm beträgt, oder wenn der Steuerer von einer anderen Person, die das Fluggerät ständig in Sichtweite hat und die den Luftraum beobachtet, unmittelbar auf auftretende Gefahren hingewiesen werden kann.
$21b der Luftverkehrs-Ordnung (LuftVO)

Neues EU-Recht nach der Drohnenverordnung 2021

In der offenen Kategorie hat sich nun folgendes ggü. der alten Drohnenverordnung in Bezug FPV geändert:
Du darfst nun mit einer max. Höhe von 120m und nur innerhalb der Sichtweite, der sogenannten VLOS – der Visual Line of Sight, fliegen.

Die offizielle Stellungnahme dazu lautet:

Unbemannte Luftfahrzeuge in der offenen Kategorie werden in direkter Sichtreichweite betrieben. Es macht dabei keinen Unterschied, ob der Betrieb am Tag oder in der Nacht mit Hilfe von Lichtern stattfindet.

Stop. Lese ich da wirklich heraus, dass wir nun auch bei Nacht fliegen dürfen, wenn passende Flugbeleuchtung angebracht ist? Wow! Aber das soll hier nicht weiter Thema sein. Dazu kann ich gern noch mehr recherchieren.

Weiter im Text heißt es:

Sichtreichweite bedeutet, dass der der Pilot in der Lage ist, einen ununterbrochenen Sichtkontakt mit dem unbemannten Luftfahrzeug ohne technische Hilfsmittel aufrechtzuerhalten, sodass dessen Flugweg so gesteuert werden kann, dass Kollisionen mit anderen Luftfahrzeugen, Menschen und Hindernissen vermieden werden.
Luftfahrt-Bundesamt Lehrmaterial für den Betrieb von UAS (Luftraumsicherheit)

Zunächst hört sich das an, als könnte man FPV nun gar nicht mehr rechtskonform außerhalb von Privatgelände oder Veranstaltungen fliegen. Wichtig ist allerdings dabei die offizielle Definition des Begriffs FPV in Verbindung mit VLOS.

Das Luftfahrt-Bundesamt beschreibt auf den Schulungsseiten für die Kompetenznachweise FPV wie folgt:

FPV ist die englische Abkürzung steht für „First Person View“ und beschreibt das Fliegen mittels einer virtuellen Realität (VR) Brille. Ein solcher Betrieb wird als VLOS eingestuft, da sich das UAS in direkter Sichtverbindung des verpflichtenden Beobachters aufhält.
Luftfahrt-Bundesamt Lehrmaterial für den Betrieb von UAS (Definitionen)

Hier mal eine etwas längere Definition, ebenfalls von den Schulungsseiten des LBA:

Ein besonderer Betrieb ist möglich, wenn eine zweite, qualifizierte Person als Beobachter agiert. Diese Person übernimmt dann alle Pflichten des Fernpiloten bezüglich der Überwachung des Luftraumes und der Umgebung, während der steuernde Fernpilot z.B. mit Hilfe einer so genannten VR-Brille fliegt. Der ist also in diesem Fall für die Sicherstellung des VLOS-Betriebs zuständig und übernimmt die entsprechenden Pflichten.

Der Beobachter muss sich in diesem Fall neben dem Fernpiloten befinden und das unbemannte Luftfahrzeug unmittelbar beobachten können. Zwischen beiden Personen muss eine direkte und effektive Kommunikation festgelegt werden, damit die sichere Durchführung des Fluges gewährleistet ist.
Luftfahrt-Bundesamt Lehrmaterial für den Betrieb von UAS (Luftraumsicherheit)

FPV Drohne außerhalb des Sichtbereichs des Piloten fliegen

Wenn Du also einen Beobachter an Deiner Seite hast, dann kannst Du ab nun Deine FPV Drohne auch auf 120m Höhe fliegen, wenn Sie sich im Sichtbereich eines Beobachters – eines sogenannten Spotters – aufhält. Die alte Grenze von 30m in der Höhe ist also auf 120m angehoben worden.

Der alleinige Flug über FPV ohne eines Spotters auf diesen Höhen ist jedoch nicht (mehr) erlaubt.

Eine wichtige Frage blieb mir jedoch noch zu offen:

Können wir weiterhin mit der bestehenden Ausnahmeregelung des §21b der LuftVO eine FPV Drohne unter 30m und unter 250g Gewicht auch ohne Hilfe eines Spotters fliegen?

Folgende Indizien sprechen dafür:

Auf der Seite der Bezirksregierung Münster steht zu der folgenden Frage eine eindeutige Antwort:

Was passiert mit den Erlaubnispflichten des §21a und den Verbotsnormen des §21b der LuftVO?
Die Erlaubnistatbestände und Verbote der Luftverkehrs-Ordnung, die nicht durch das EU-Recht anderweitig geregelt werden, bleiben zunächst gültig.
Bezirksregierung Münster / Verkehr / Drohnen
Bezirksregierung Düsseldorf / Verkehr / UAS

Die Ausnahmeregelung des §21b ist im neuen EU-Recht dabei nicht explizit geregelt (meine persönliche Ansicht) und ist wohl weiterhin ein Bestandteil eines nationalen, deutschen Rechts, welches gegen keinen Text der neuen EU-Regelung widerspricht.

Der §21b der LuftVO ist zudem weiterhin online damit derzeit wohl immer noch gültig.

Eine weitere Klärung konnte ich dazu bisher nicht finden. Sollten sich Änderungen ergeben, werde ich dies hier im Beitrag per Update mitteilen.

Ich habe sogar beim Luftfahrt-Bundesamt direkt angefragt mit der Bitte, diese Frage zu klären.

Autor: Viktor Dite

Veröffentlicht am: 02.01.2021

Letztes Update: 23.01.2021