Meine Solaranlage bringt seit einiger Zeit nur noch rund 70 % der erwarteten Leistung vom Dach. Aufgefallen ist es mir bei einem frustrierenden Blick auf die Ertrags-App der Photovoltaik-Anlage: Die Module lieferten plötzlich fast ein Drittel weniger als noch vor ein paar Wochen. Die erste Befürchtung: Ist vielleicht ein Modul defekt? Ein sogenannter Hotspot, also ein lokaler Hitzestau durch beschädigte Zellen, könnte genau das verursachen. Ich wusste aber nicht, wie ich das ohne großen Kostenaufwand prüfen kann.
Ich hatte deshalb schon länger überlegt, mir eine Wärmebildkamera zu kaufen. PV-Module wandeln Licht in Strom, werden dabei aber auch warm. Ein defekter Bereich auf einem Solarmodul kann thermisch auffällig werden. Eine schlechte Verbindung kann wärmer werden als der Rest.
Inhalt
- Thermal Master P3: Wärmebildkamera fürs Handy per USB-C
- Was so eine Wärmebildkamera kann – und was nicht
- Solaranlage bringt weniger Leistung: Ist wirklich Dreck schuld?
- Gefahren in der Elektroinstallation finden
- Wärmebildkamera im Alltag: Was die P3 sonst noch findet
- Wie genau misst die Thermal Master P3? Der Genauigkeitstest
- Die Wärmebildkamera-App: iPhone vs. Android
- Alternativen: HIKMICRO, Bosch, FLIR & Co.
- Fazit: Für wen lohnt sich die Wärmebildkamera fürs Handy?
Und siehe da, Thermal Master ist auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich nicht ihre Thermal Master P3, eine Wärmebildkamera fürs Handy, testen will. Das passte zeitlich ziemlich gut: Statt nur ein neues Gadget auszupacken, konnte ich die Kamera direkt für eine echte Frage nutzen.
Thermal Master P3: Wärmebildkamera fürs Handy per USB-C
Die Thermal Master P3 ist ein Aufsatz für dein vorhandenes Handy – du steckst die kleine Infrarotkamera per USB-C an dein iPhone oder Android-Gerät, und der Rest läuft über eine App.

Genau daraus ergibt sich auch der größte Vorteil: Die P3 hat kein eigenes Display, keinen eigenen Akku und keinen eigenen Prozessor. Das übernimmt alles dein Smartphone – dessen Display, Prozessor und Akku nutzt die Kamera einfach mit. Deshalb bekommst du eine extrem leistungsfähige Wärmebildkamera zu einem Bruchteil des Preises eines Standalone-Geräts.
Was so eine Wärmebildkamera kann – und was nicht
Ein Wärmebild ersetzt natürlich keine elektrische Messung und ist kein Ersatz für eine professionelle PV-Prüfung. Als kompakte Wärmebildkamera fürs Handy ist sie aber erstaunlich nützlich: Sie macht Temperaturunterschiede sichtbar, hilft beim Finden von Hotspots und zeigt schnell, wo man genauer hinschauen sollte. Gerade bei Solaranlagen, Homeservern, Elektronik, Netzteilen oder im Haushalt ist das deutlich mehr als Spielerei.
Die P3 ist bereits die dritte Generation und wurde Schritt für Schritt verbessert. Ihr eigentliches Alleinstellungsmerkmal ist der manuelle Fokus samt Makro-Fähigkeit – damit wird sie zu einer richtig brauchbaren Kamera für Platinen und kleine Bauteile.
Spoiler vorweg: Auf meinem Dach gab es glücklicherweise keine Hotspots – die Anlage ist wahrscheinlich einfach stärker verschmutzt, als ich gedacht hatte. Wie ich sie reinigen werde, zeige ich in einem zukünftigen Video: Mir hat nämlich ein Solarinstallateur verraten, wie man die Module mit Wasser aus der Leitung reinigen kann, ohne dass der Kalk sie hinterher noch stärker verschmutzt!
Solaranlage bringt weniger Leistung: Ist wirklich Dreck schuld?
Ja, ich weiß: Module soll man angeblich gar nicht putzen, und der Leistungsabfall soll sowieso von der Hitze kommen, nicht vom Dreck. Genau das wollte ich nicht einfach glauben, sondern nachrechnen – und das Ergebnis ist eindeutig: Die Temperatur ist nicht das Problem.

Wie du im Bild sehen kannst, erreichen die wärmsten Stellen meiner Q.Peak Duo-G5 BLK 320 Wp Module rund 47 °C an der Oberfläche – die Zellen dahinter dürften noch ein paar Grad wärmer sein. Pro Grad über den 25 °C der Standard-Testbedingung verliert so ein Modul laut Datenblatt etwa 0,37 % Leistung. Damit lässt sich der Hitze-Effekt konkret beziffern:
- Temperaturdifferenz: 47 °C – 25 °C = 22 K
- Leistungsverlust durch Wärme: 22 K × 0,37 %/K = rund 8 %
- Installierte Nennleistung: 9.920 W (9,92 kWp)
- Verlust durch Hitze: ca. 807 W
- Rechnerisch verbleibende Leistung: ca. 9.113 W
Die Hitze kostet mich also rund 8 % – und selbst wenn ich für die heißeren Zellen großzügig 30 K Differenz ansetze, sind es gut 11 %. Die Anlage liefert aber rund 30 % zu wenig. Auch das Alter erklärt die Lücke nicht: Die Module sind sechs Jahre alt und haben laut Datenblatt zu diesem Zeitpunkt noch mindestens 95 % ihrer Nennleistung. Ziehe ich Wärme und Alterung zusammen ab, müssten immer noch rund 8,7 kW drin sein – tatsächlich kommen an guten Tagen knapp 7 kW an. Es fehlen also weiterhin über 1,5 kW.
Und bevor die Einwände kommen: Ja, auch die 8,7 kW sind ein theoretischer Bestwert bei voller Einstrahlung, den ein realer Sommertag nie ganz erreicht. Entscheidend ist deshalb der Vergleich mit vorher: Bei ähnlichem Wetter kam noch rund ein Drittel mehr vom Dach. Diesen Sprung erklären weder Temperatur noch Alterung – Schmutz dagegen schon.
Ich hatte die Idee schon auf Threads veröffentlicht – und oh boy, gab es da einen Shitstorm! Aber hey: Ich habe in meinem Leben schon zu oft ein „Kann nicht sein“ von Experten gehört, das sich in meinen eigenen Tests dann eben doch bestätigt hat. Viel zu oft wird aus Einfachheit oder Bequemlichkeit eine Faustregel über völlig unterschiedliche Gegebenheiten gestülpt – dabei sind jedes Dach, jede Umgebung und jeder Schmutz anders. Ich probiere es also trotzdem aus und nehme dich dabei mit. Das neue Video wird auch kein Ratgeber, der dir sagt, was du tun sollst – es dokumentiert meine Neugier und nimmt dich einfach mal auf meine Gedanken-Reise mit.
Aber zurück zur Wärmebildkamera fürs Handy: Die Kamera hat mir trotzdem geholfen. Nicht, weil sie den einen spektakulären Fehler gefunden hat, sondern weil sie meine Vermutung plausibler und andere Ursachen unwahrscheinlicher gemacht hat.
Für mich ist die P3 weniger ein Labor-Thermometer und mehr ein Diagnosewerkzeug. Absolute Temperaturwerte muss man immer mit Vorsicht betrachten. Für Hotspots, auffällige Wärmeverteilungen und schnelle Vergleiche ist so eine Wärmebildkamera am Smartphone aber extrem praktisch.
Spannend ist das Konzept vor allem, weil es die Schwelle für solche Tests deutlich senkt. Eine Wärmebildkamera fürs Handy ist schnell eingesteckt, man hat sie eher dabei und sie eignet sich gut für kurze Checks im Alltag.
Gefahren in der Elektroinstallation finden
Richtig interessant wird eine Smartphone-Wärmebildkamera aber erst, wenn man sie in verschiedenen Alltagssituationen nutzt. Die P3 ist klein genug, um schnell durchs Haus, zur Technik-Ecke oder zum Auto mitgenommen zu werden.

Ein naheliegender Einsatzbereich sind Netzteile, Ladegeräte, Mehrfachsteckdosen und elektrische Verbraucher. Viele Geräte werden im Betrieb warm. Das ist normal. Interessant wird es, wenn ein Bauteil deutlich wärmer ist als vergleichbare Komponenten oder wenn ein Bereich ungewöhnlich heraussticht.

Wichtig ist hier der Sicherheitshinweis: Mit einer Wärmebildkamera kann man äußerlich prüfen. Offene Arbeiten an Netzspannung gehören in Fachhände. Der Nutzen liegt darin, Auffälligkeiten früh zu sehen und dann gezielter nachzugehen.
Wärmebildkamera im Alltag: Was die P3 sonst noch findet
- Elektrik im Haus: Sicherungskasten, Steckdosen, Verteiler und Netzteile lassen sich von außen auf ungewöhnlich warme Stellen absuchen. So findest du schlummernde Hotspots, bevor sie zum Problem werden. Sicherheitshinweis: nur äußerlich prüfen – keine Verteilung öffnen und keine Arbeiten unter Spannung, wenn du nicht vom Fach bist.
- Serverschrank & Homeserver: Ein Klassiker für die Technik-Fraktion. Im Wärmebild siehst du heiße Netzteile, schlecht gekühlte Komponenten und Wärmestau – ideal, um vorher/nachher zu vergleichen, wenn du das Kabelmanagement oder die Lüfter änderst.
- Elektronik & Platinen: Hier spielt die P3 ihren Makrofokus voll aus. Auf einer Platine – etwa einem Raspberry Pi – werden heiße Spannungswandler, einzelne ICs oder ein Kurzschluss sichtbar. Tipp: vorher nicht mit den Fingern anfassen, sonst verfälscht die Handwärme das Bild.
- Kühlschrank & Dichtungen: Auch im Haushalt gibt es sinnvolle Anwendungen. Ein Kühlschrank ist ein gutes Beispiel: Man kann prüfen, ob eine Türdichtung auffällig ist oder ob Kälte an bestimmten Stellen stärker entweicht. Auch Leitungen, Heizkörper oder warme Geräte im Standby lassen sich gut sichtbar machen.
- Auto: Besonders gut kann man damit prüfen, ob einer der Reifen auffällig warm wird – das kann frühzeitig auf falschen Luftdruck, Spurprobleme oder erhöhten Verschleiß hinweisen.
- Heizkörper auf Luft prüfen: Gerade bei Wärmepumpen ist eine gute Wärmeverteilung wichtig. Wenn ein Heizkörper nicht richtig warm wird oder Luft enthält, kann man das im Wärmebild oft sehr anschaulich sehen. Dafür braucht man aber eine ordentliche Temperaturdifferenz – sinnvoll funktioniert das erst im Winter. Dazu mache ich einen eigenen Folgebeitrag, wenn die Kälte zurück ist.
Wie genau misst die Thermal Master P3? Der Genauigkeitstest
Jetzt zur Frage, die fast jeder stellt: Wie genau ist so eine Wärmebildkamera eigentlich? Ehrlich gesagt suche ich meistens nur Hotspots und will gar keine exakte Temperatur ablesen – aber die Genauigkeit interessiert natürlich trotzdem.
Also habe ich siedendes Wasser gemessen. Beim kochenden Wasser muss man wissen: 100 °C gelten nur ungefähr auf Meereshöhe. Je höher man ist, desto niedriger liegt der Siedepunkt. Als grobe Faustregel kann man mit etwa 1 °C weniger pro 300 m Höhe rechnen. Bei meinen 76 m ü. NN macht das allerdings nur rund 0,25 °C aus – Wasser siedet hier also fast bei echten 100 °C. Die knapp 98 gemessenen Grad bedeuten damit rund 2 °C Abweichung, und das passt zur Toleranz, die der Hersteller angibt. Für meine Zwecke reicht das.

Offiziell nennt der Hersteller nämlich ±2 °C bzw. ±2 %. Mindestens genauso wichtig ist aber der Emissionsgrad des gemessenen Materials. Vereinfacht gesagt beschreibt der Emissionsgrad, wie gut eine Oberfläche Wärmestrahlung abgibt. Matte, dunkle Oberflächen lassen sich meistens gut messen. Glänzende Metalle sind dagegen schwierig, weil sie viel reflektieren. Eine Wärmebildkamera sieht dann nicht nur die Temperatur der Oberfläche, sondern auch reflektierte Wärmestrahlung aus der Umgebung.
In der Praxis geht es aber fast nie um den exakten Wert, sondern darum, Unterschiede und Auffälligkeiten (Hotspots) sichtbar zu machen. Man sollte daraus aber keine Wunder erwarten. Nicht jeder Fehler erzeugt einen sichtbaren Hotspot. Und nicht jeder Hotspot ist automatisch ein Defekt.
Wichtig ist auch zu wissen: Wärmebildkameras sehen nur Oberflächen – sie sind kein Röntgenblick. Du kannst damit nicht in Geräte hineinsehen, sondern nur deren Wärme an der Oberfläche messen. Und falls du dich über die Begriffe wunderst: „Wärmebildkamera“ und „Infrarotkamera“ meinen dasselbe – die Kamera macht Infrarot-, also Wärmestrahlung sichtbar, die unsere Augen nicht wahrnehmen.
Die Wärmebildkamera-App: iPhone vs. Android
So eine Kamera ist immer nur so gut wie ihre App – und genau hier gibt es einen Praxis-Punkt, der dir kein Datenblatt verrät. Eine reine Wärmebildkamera-App aus dem Store nützt dir übrigens nichts, solange kein Sensor angeschlossen ist; die kostenlosen „Wärmebild-Apps“ sind Spielerei. Die echte Arbeit macht die Hardware plus die zugehörige Thermal-Master-App.
Am Android-Gerät läuft die P3 angenehm kühl und stabil. Das iPhone wird dagegen extrem heiß und kann mit der Zeit drosseln – vermutlich, weil das iPhone das Live-Bild flüssiger berechnet (am Android ruckelt es leicht) und diese Rechenlast den Prozessor aufheizt. Die Kamera selbst zieht mit 0,32 W jedenfalls kaum Strom. Wenn du die Wahl hast, ist Android für längere Mess-Sessions die entspanntere Plattform.
In der App selbst hast du eine Bild-in-Bild-Überlagerung von Echt- und Wärmebild sowie Foto- und Video-Export. Der manuelle Fokus ist im Alltag wichtiger, als man denkt: Auf dem Dach brauchst du eine andere Einstellung als bei der Platine direkt vor der Nase – und genau diese Nähe ist der Vorteil gegenüber Modellen mit festem Fokus.
Alternativen: HIKMICRO, Bosch, FLIR & Co.
Andere bekannte Namen bei Wärmebildkameras sind hierzulande HIKMICRO, Bosch oder Makita, dazu international FLIR und InfiRay. Bosch und Makita zielen eher auf die Baustelle und sind oft Standalone-Geräte; HIKMICRO und FLIR decken ein breites Spektrum ab.
Wo die P3 punktet, ist die Kombination aus manuellem Makrofokus, dem 256×192-Pixel-Sensor, dessen Bild die App auf 512×384 Pixel hochrechnet, 25 Hz Bildrate und einem fairen Preis – möglich eben dadurch, dass Display und Akku entfallen. Ein solcher Aufsatz wie die P3 ist also günstiger, kleiner und perfekt, um schnell Bilder und Videos zu erstellen.
Fazit: Für wen lohnt sich die Wärmebildkamera fürs Handy?
Für mich ist die Thermal Master P3 weder ein Spielzeug noch ein Labor-Thermometer, sondern ein kleines, ehrliches Diagnosewerkzeug. Sie hat meine Solarfrage nicht allein gelöst – aber sie hat den wichtigsten Punkt sichtbar gemacht: keine Hotspots auf dem Dach, also vermutlich nur Schmutz. Nächste Station: Reinigung. Wenn das nicht hilft, folgt eine elektrische Messung. Genau das ist ihr Nutzen. Sie beantwortet nicht jede Frage, aber sie zeigt sehr schnell, wo man genauer hinschauen sollte.
Sie ist aber weniger geeignet für: alle, die ein zertifiziertes Messgerät für Gutachten erwarten, durch Wände sehen wollen oder eine autarke Kamera ohne Smartphone suchen.
Letzte Änderung:




