Sagt ein Bild wirklich mehr als tausend Worte?

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Diese Weisheit kennt jeder. So dachte sich auch Google und Facebook nun ihre Designs an die von Pinterest und Instagram anpassen zu müssen. Das Bild regiert die Welt. Lesen will keiner. So könnte man zumindest den Trend deuten.

Doch nehmen wir mal das Beispiel Google Plus. Ich habe ja bereits über mein Nichtgefallen der neuen Profilbannergröße geschrieben und auch darüber wie man das Banner wieder kleiner bekommt. Aber was war denn die Intention hinter der Umgestaltung zu so einem riesigen Banner?. Nehmen wir doch mal ein paar Beispiele für recht gelungene Banner und versuchen den Nutzen für die jeweilige Person, Marke oder Firma herauszustellen.

Der Spiegel Online

profilbanner-spiegel-online
Der +Spiegel Online hat meiner Meinung nach das gelungenste Design für eine Google Plus Seite — seit der Umstellung. Doch sogar hier gibt es meiner Meinung nichts, dass dem Spiegel einen Mehrwert im Vergleich zu der vorherigen Darstellung bringt.

Das Banner zeigt „bloß“ den neuen „Spiegel Glaspalast“ in Hamburg. Auf den kann man stolz sein, ok, aber sagt es etwas über den Spiegel aus? Ok, es wird wohl kaum jemanden geben, der den Spiegel nicht kennt. An dieser Stelle müsste man also etwas abstrahieren und sich vorstellen, es wäre eine nicht so sehr bekannte Marke, Firma oder Seiten.

Die Crosslinks zu den anderen Social Media Profilen halte ich sogar für verkehrt (an dieser Stelle), denn ich möchte ja als Betreiber der Seite, dass die Besucher da bleiben und mich einkreisen statt auf andere Profile auswandern.

Kurz um, die neuen Banner sind mehr als unnötige Platzverschwendung above the fold. Mehr sehe ich darin nicht — trotz des ansprechenden und sehr schönen Designs des Spiegel-Online-Banners.

Im Prinzip ist es das Gleiche wie mit den alt-Texten von Bildern. Findest Du keinen vernünftigen und im Kontext passenden alt-Text zu einem Bild, dann hat das Bild auch nichts in einem Beitrag verloren!

Es gibt aber auch positive Beispiele:

Profilbanner von Personen mit Mehrwert

profilbanner-jean-claude-frick
Das ist mal ein schönes Profilbanner von +Jean-Claude Frick. Es sagt viel über den Menschen aus – zumindest lenkt es mich in eine Richtung zu glauben zu wissen womit der Mensch dahinter sich den ganzen Tag beschäftigt. Ich könnte zu diesem Bild tatsächlich einen alt-Text verfassen, dass im Kontext eine Aussagekraft über die Person hat — zumindest halt aus meiner Sicht auf die Person. Er ist Kaffeehaus Fan und arbeitet auch gerne dort. Er ist ein Mac User und schreibt gerne (über technische Themen). Und es ist tatsächlich so ;)

Ich finde es ist sogar noch besser als die von mir bisher favorisierten Banner von +Philipp Steuer, +Frank Katzer oder +Jan Tißler

profilbanner-philipp-steuer

profilbanner-frank-katzer
Ein Versuch der Interpretation: Das Bild sagt über ihn, dass er durchaus ein Genießer ist und viel Zeit für kleine Besonderheiten im Leben nimmt und nehmen möchte. Das spiegelt sich auch in seinen Posts wieder. Er ist kein „Wiederkäuer“ und verwertet Informationen immer aus dem eigenen Blickwinkel!

profilbanner-jan-tissler
Jan Tißler geht sogar noch einen Schritt weiter und positioniert ein emotional psychologisches Qualitätsmerkmal — Truth — in sein Profilbanner. Das brennt sich in den Gedanken ein und erzeugt eine gewisse Prise größeres Vertrauen in den Wahrheitsgehalt seiner Beiträge!

Stände dies alles so unter den Profilen der Leute als Text, erzeugte dies in der tat nicht den gleichen Effekt, wie die Bilder!

Wenn wir ehrlich sind

Doch sind wir mal ehrlich. Wie viel Prozent von uns schaffen es solche aussagekräftige Bilder in die Profile einzubauen? Wir sind doch eher dazu geneigt einfach mal schnell ein schönes Bild zu nehmen und den above the fold Bereich damit zuzukleistern.

Für die große Masse von uns sind die neuen Profilbanner also nichts anderes als das was wir in unseren (Blog-)Beiträgen schon falsch machen. Wir nutzen emotional schöne Bilder ohne Konsens und Kontext in der Hoffnung ein nettes Feeling beim Leser zu erzeugen….
Das ist aber nicht der Sinn….

Vielleicht liegt meine Empörung über das große Profilbild einfach darin, dass ich selbst keine vernünftige Idee für ein eigenes großes Profilbild habe, dass wirklich eine vernünftige Aussage hat.

Folgendes lege ich nämlich unter nice try, try it again ab:
profilbild-viktor-dite
Das liegt wohl daran, dass ich eher Simplizität und Effizienz mag.

Eigentlich wünschte ich mir aus diesem Grund ein wirklich einfaches, simples und kleines Profilbanner wie ein solches:
profilbild-viktor-dite-wunsch

Und da das ja nicht geht, nehme ich eben die goldene Mitte:
profil-viktor-dite-goldene-mitte

Hier ist alles da was der Besucher braucht.

Edit

Ich habe „kapituliert“ und bin nun auch dem großen Coverbild verfallen.
Screenshot 2013-04-17 um 15.23.59
Eigentlich erzählt es alles über mich, dass erzählt werden muss. Jeder darf sich darin gern selbst „ein Bild machen“ und seiner Interpretation freien Lauf lassen.

5 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. danke für die erwähnung, viktor.
    mit deiner interpretation liegst du sehr gut! wobei ich mir jeden tag aktiv vornehmen möchte, auch nach den kleinigkeiten zu schauen und mir das nicht immer gelingt. übrigens hatte ich vor der g+ umstellung das gleiche foto — sushi passt eben immer ;-)

  2. Hi Viktor,

    Die Profilbanner im Oberen Bereich mit Branding- oder About-Texten sowie Social Media-Verweise zu bestücken, sieht vielleicht seriöser aus, wahrgenommen werden sie jedoch nur, indem man nach dem Pageload zum Seitenanfang zurückscrollt. Denn mir fällt auf, dass die Profilseiten nicht am Seitenanfang geladen werden.

    Ich sehe jedoch 2 positive Veränderung bei den neuen Profilbannern:

    1. Der Profilbanner kann nun effektiver für das Branding eingesetzt werden, ohne durch die aktuellsten Statusmeldungen abgelenkt zu werden. Der riesige Banner ist wie ein Schaufenster. Denn tatsächlich sieht man beim Laden der Seite nur das – ein repräsentatives Bild des Unternehmens.

    2. Die Kurzbeschreibung bzw. der Name des Unternehmens/Person und der darin platzierte Link zur Website wird nun viel deutlicher wahrgenommen. Der Link zur Website ist nun genau auf Augenhöhe und ist das erste Klickbare Element auf der Seite, ohne scrollen zu müssen. Die Klickrate auf diesem Link wird nun vermutlich höher sein als vorher. Die neue Positionierung der Seitenbeschreibung führt der Wahrscheinlichkeit nach also zur einer Steigerung des Besucherstroms für Seitenbetreiber.

    So unschön der Banner auch scheinen mag, sollten wir nicht voreilig urteilen. Lasst uns abwarten, was die ersten Analyseauswertungen zeigen. Werden Seitenbetreiber mehr Views erhalten?

    Lieben Gruß,
    Jonathan

  3. Dein nice try gefällt mir optisch sehr gut! Wenn Farben und Stimmung jedoch nicht zu der eigenen Persönlichkeit oder den Projekten passen ist es wohl besser erstmal auf ein Profilbanner zu verzichten als auf Biegen und Brechen etwas aus dem Hut zaubern zu wollen.

  4. ja, das Bild kann ich vielleicht als „Nature Photographer“ verwenden, aber doch nicht als „Web Solution Deliverrer“ :-D

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