Luxusgut Social Media und Corporate Blogging

Martin Mißfeldt hat im dieswöchigen Webmasterfriday eine schöne Frage gestellt: “Social Media – wann ist es genug?” Die Frage zielt ab auf die Anzahl und Bandbreite der Social Media Kanäle, die zur sinnvollen Nutzung noch herhalten können.

Der Nutzen von Social Media

Ich sehe die Frage etwas anders und frage mich eher nicht wann genug ist, sondern wann Social Media überhaupt erst anfängt sinnvoll zu werden? Social Media ist meiner Meinung nach Spielerei und ist für die Unternehmen mehr Luxus als Uxus (russisch für Essig) – soll heißen, dass man (als KMU) ohne einen strikten Plan – und vorallem viel Zeit – Social Media vergessen kann. Wer sich nicht allein darauf konzentrieren kann, sollte es bei der Spielerei belassen.

Wenn sich also die Frage stellt ob ein Unternehmen Social wird, sollte zuerst der Sinn dieses Schrittes genauestens evaluiert werden. Warum? Weil sonst die investierte Zeit absolut keinen Nutzen bringt und diese Energie lieber in andere Bereiche investiert werden sollte.

Was sollte Social Media leisten?

Ich hatte auf Google Plus Beispiele zusammengetragen, die zeigen, das ein gutes Corporate Blog allein (in Deutschland) noch kein Garant für Besuchertröme ist und schon gar nicht Social Media Engagement impliziert. Mir ist in der Diskussion deutlich geworden, dass in Deutschland ein Corporate Blog in den Köpfen der Marketer ein völlig falsches Bild besitzt.

Die typische Haltung der deutschen Unternehmen sehe so aus, dass Social Media für Sie bloß einen weiteren Kanal für Werbung darstellte. Ich möchte es am besten anhand eines Kommentars in der Diskussion aufzeigen:

Wir betreiben unseren Blog z.B. um User auf neue Dienstleistungen hinzuweisen bzw. um Produktneuheiten an einer Stelle zentral zu publizieren. [Social Media ist Zeitverschwendung]

Und genau dafür sollte ein Corporate Blog, ein Facebook Auftritt oder der Twitter Kanal nicht benutzt werden! Dafür gibt es die Website selbst, den Presse- oder Newsbereich und PR-Dienste.

Corporate Blog als Social Media Community

social media - reden ohne publikum Ein Corporate Blog ist ein eigenes Social Media Community Universum. Ein Corporate Blog lebt vom Engagement der Leser, von den Kommentare, von dem Likes, von den Plussen. Ohne das Engagement auf dem Blog bleibt es entweder eine einseitige Propaganda oder ein Reden vor dem leeren Saal.

Anders als auf einer klassischen Website kommt man mit den Lesern seines Blogs sehr leicht ins Gespräch. Man kann ihre Meinung Erfahrungen, Inspirationen und Ideen bekommen – sogar zur Entwicklung des eigenen Produkts: zu den Erwartungen, Wünschen und Hoffnungen der leser in Bezug darauf. [Wenn Startups nicht bloggen ist es schade, vorallem für sie]

Warum Engagement so wichtig ist

Warum das Engagement der Leser auf Deinen Social Media Kanälen so wichtig ist hat Deanna DeRosa in ihrem Beitrag “Do More Comments Make Your Blog Stronger?” wunderbar zusammengefasst:

  • Comments show that you have built an on-site community
  • Engaging with your blog community can get you closer to your goals, especially if your goals are business-related
  • Comments create an awareness and attractiveness to the blogger or brand
  • Comments reflect credibility and authority

“Ein Blog funktioniert nur, wenn er gelesen und kommentiert wird und zur Diskussion anregt. Das Schreiben eines Blogs ist KEINE SEO-Maßnahme.” [Mach engagierten Inhalt und präsentiere ihn stolz] “Bloggt ein Unternehmen zu Themen, die eine starke Affinität zu seinem unternehmerischen Tun und zu seinen Kundennutzen hat, wird das Vertrauen der Leser – und Kunden – in Kompetenz und Expertise gestärkt.” [Wenn Startups nicht bloggen ist es schade, vorallem für sie]

Verhalten. Überzeugen. Nachahmen. – soziale Bewährtheit als Erfolgskonzept

Das Prinzip der sozialen Bewährtheit beschreibt die grundlegende Eigenschaft von Menschen, sich stets an dem Verhalten anderer Menschen bzw. einer Gruppe zu orientieren. Und genau das verpasst jedes Unternehmen, dass keine Kommentare öffentlich auf die Seiten holt

Unternehmen anfassbar machen

Ein Unternehmensblog muss zudem Leben zeigen und lebendig wirken. Er darf nicht steif wie mit einem Stock im Arsch darstehen. Es muss deutlich werden, dass hinter dem Blog bestimmte Menschen stehen. Sie müssen echt und nicht erfunden wirken. Barack Obama hat während der US Wahl 2012 den Sinn eines Blogs auf den Punkt gebracht: “Obama punktete mit einem Tumblr-Blog, in dem die richtige Ansprache gefunden wurde – inklusive Katzen-Content. Auch Mitt Romney war auf Tumblr präsent, allerdings wirkte sein Blog eher steif und bemüht.” [Learnings aus der US Wahl 2012]. Ein Unternehmensblog ist nach außen hin nun mal der Herr Kaiser!

Weißt Du noch warum Du bloggen willst?

bereit-corporate-blog
Wenn Du immer noch vor hast ein Unternehmensblog zu starten, dann solltest Du Dich die folgenden Fragen stellen:
Willst Du

  • bestehende Kunden direkt ansprechen können?
  • den Kunden eine Kommunikationsplattform bieten und in den Kommentaren mit ihnen über Dein Unternehmen oder Dein Produkt diskutieren?
  • eventuelle Fehler des Unternehmens oder des Produktes zugeben können und dazu Stellung nehmen ohne unangenehme Kommentare über Dich zu löschen?
  • Transparenz für Kunden schaffen?
  • Deine Kunden in die Ideenfindung einbinden und Vorschläge für Neuentwicklungen erlauben?
  • Dein Unternehmen menschlicher machen und echte Menschen statt einer leblosen Fassade nach außen kommunizieren?
  • auf Kritik in sozialen Netzwerken oder in den Massenmedien reagieren und Stellung nehmen können?
  • einem oder mehreren Mitarbeitern so viel Zeit einräumen, dass sie sich intensiv mit dem Blog, der Recherche und Aufbereitung der Themen widmen können? Denn mit 5h wöchentlich ist es nicht getan!

Wenn Du alle fragen mit ja beantworten kannst, dann herzlichen Glückwunsch! Dein Unternehmesblog kann ein voller Erfolg werden! Wenn jedoch nicht solltest Du Dir für Dein Vorhaben andere Kanäle suchen. Ein Blog wäre dann eine schlechte Wahl.

Liste inspiriert von “50 Gründe um ein Firmenblog zu starten

Fazit

social-media-megafon Ein Corporate Blog ist genauso Social Media wie Facebook, Google oder Twitter. Social Media ist kein Megafon für eine One-Way Kommunikation. Social Media ist Kommunikation miteinander und füreinander. Ein Unternehmensblog benötigt Zeit. Viel Zeit. Ein Unternehmensblog benötigt Kundenliebe und den Wunsch danach mit den Kunden in Kontakt zu treten. Ein Unternehmen, dass Social Media oder ein Blog führt muss auch gekonnt einstecken können und sich nicht vor Kritik nur verstecken wollen.

Aus diesem Grund sollte sich jeder, der ein Unternehmensblog starten möchte genauestens überlegen, ob er es denn auch so handhaben möchte oder überhaupt kann.

Update 05.11.2014 23:10

Vor ziemlich genau zwei Jahren habe ich diesen Beitrag hier geschrieben. Hat sich seit dem eigentlich etwas verändert? Jeder, der heute an Content Marketing denkt, denkt gleichzeitig an Blogs. Das hat sich in der Tat verändert. Content Marketing ist das neue SEO und Blogs sind einfaches Content Marketing, so der Irrglaube.

10 Blogbeiträge für ein Backlink

Bloofusion hat zum SeoDay 2014 ein paar deutsche Corporate Blogs untersucht und hat u.A. herausgefunden, dass der beste untersuchte Blog im Schnitt immer noch 10 Beiträge veröffentlichen musste um einen einzigen Backlink zu generieren. Der schlechteste im Test musste 50 Beiträge für einen Link generieren.

Social Media wächst auch in Deutschland

So langsam kann man die Social Media Welt in Deutschland wirklich ernst nehmen. Wenn man sich nicht ganz doof anstellt, erreicht man schon eine ganze Menge Menschen. Die Social Media Dienste sind mittlerweile auch in DE prall mit Menschen gefüllt. Willst Du wissen, welches 2014 am meisten an Usern dazu gewonnen hat? Hier ist eine Liste

Was schreibe ich eigentlich, damit hinten Links bei rauskommen?

Es gibt keine Regel, die besagt, was Du schreiben musst damit der Blogbeitrag “virale” Reichweite erreicht.

Ein paar allgemeingültige Tipps gibts dann doch noch

Du musst Deine Zuhörer kennen und denen genau das liefern, wonach die sonst bei Google suchen würden. Vor allem musst Du Dich entscheiden, ob Du Deine Kunden erreichen willst, oder Multiplikatoren, die Deine Beiträge unters Volk verteilen. Die Ansprache und die Inhalte sind bei beiden Zielgruppen völligst verschieden.

Der Content muss nützlich oder erheiternd für den Multiplikator und oder den User sein – je nach dem für wen Du Dich entscheidest. Der Content sollte auch nicht zu nah am Produkt kleben. Er sollte am besten die Phantasie ansprechen, wie der potenzielle Kunde sich mit dem Produkt fühlen würde, was er damit erlebe und was Ihm entginge, habe er das Produkt nicht. Ein großer Beitrag, in den viel Zeit investiert wurde und der sehr gut recherchiert war ist übrigens wesentlich sinnvoller und erfolgreicher als alternativ 20 kleine unbedeutende Beiträge, die recht flott veröffentlicht wurden.

Die Inhalte sollten stetiger ROI-Analyse unterliegen um ggf. an der Ansprache, Inhalten oder Zielgruppe variiert zu werden um Sackgassen möglichst früh zu erkennen und eine andere Abfahrt zu nehmen.

Fazit zum Update?

Wenn Du es machst, mache es richtig oder lasse es! Halbe Sachen werden nicht honoriert. Schlimmer noch. Sie können sogar schaden, da die Inhalte als Thin-Content klassifiziert werden könnten und eine Abstrafung die gesamte Domain ins Trudel mitziehen würde.

4 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ja, so wär es “richtiger”, vermutlich nur so. Keine Einbahnstraßen Kommunikation, keine Ego-Beiträge. Schwierig intern umzusetzen, zu kommunizieren. Man müsste S.M.A.R.T.(e) Ziele definieren und es wagen.

    Aber müsste der Blog dann nicht auf der Hauptseite stattfinden, da wo die eigentlichen Besucherströme sind, wo Neukunde und Altkunde sich treffen;-)
    Am besten dann noch unkommerziell wirken, gestaltetet sein – nicht nur inhaltlich unkommerziell?

    Ein Super Artikel – ein Firmen Blog ist nicht mal ebenso gemacht, weil Social angesagt ist, er benötigt klare Ziele, viel Mut und Kreativität. Wir sind leider noch weit davon entfernt.

  2. “Aber müsste der Blog dann nicht auf der Hauptseite stattfinden, da wo die eigentlichen Besucherströme sind, wo Neukunde und Altkunde sich treffen;-)”
    Ich denke da über ein Widget nach

  3. “Social Media im E-Commerce: Studie ermittelt Relevanz”
    Der verkaufsfördernde Aspekt von Social-Media-Aktivitäten wird seit jeher bezweifelt. Immer wieder entbrennt die Diskussion um dessen Return on Investment (ROI). Für rund ein Drittel der befragten Online-Shops lässt sich aber schon jetzt ein wirtschaftlicher Nutzen feststellen. „Dieser Anteil wird sich 2013 nochmals um 30 Prozent erhöhen“

    http://t3n.de/news/social-media-e-commerce-studie-432420

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