Warum die Algorithmen von Google und Co. schon längst die Welt beherrschen

Ich habe heute einen Beitrag in WDR5 Politikum über die schwindende Autonomie unserer heutigen Gesellschaft gehört und bin gerade zufällig über einen passenden Beitrag bei Moz gestoßen: „Deep Learning Mean That, in the Future, Even Googlers Don’t Know What’s in Their Algorithms“Rand Fishkin @Moz.com. Verbindet man beide Beiträge zu einer Korrelation, kommt heraus, dass wir heute gern unsere Freiheit und dadurch die eigene Autonomie für Soziale Netzwerke opfern, die uns vorschreiben wie wir unser Leben zu leben haben. Die sozialen Netzwerke wiederum werden immer mehr zu autonomen Maschinen, deren Algorithmen schon länger nicht mehr in der Gewalt einzelner sind, sondern schon fast eigenständig Ihre Werke treiben.

Der Mensch und das Märchen der Autonomie

Eigentlich hat Autonomie dem Menschen bisher nur Stress und Unruhe gebracht. Wir sind aus dem Paradies verbannt worden, weil Eva autonom gehandelt hatte und einen Apfel vom Baum der Erkenntnis gegessen hatte. Das Paradies war frei von jeglicher Sorge, doch die Bewohner dessen waren nicht frei. Sich zu befreien, loszureißen aus Ketten der Bevormundung war ein Schritt in die autonome Gesellschaft. Philosophen, Freidenker und Literaten gaben sich große Mühe den Menschen vom Lemming zum selbst denkenden Geschöpf zu verwandeln.

Der Verlust der menschlichen Autonomie an autonome Maschinen

Im 21 Jahrhundert sind wir aber auf dem direkten Wege unsere gewonnene Autonomie wieder freiwillig an Maschinen zu übergeben.

„Wir wissen nicht, aber wir können es ahnen, wie viele Menschen sich in Erkenntnis ihrer wachsenden Unfähigkeit, die Last des Lebens unter modernen Verhältnissen zu ertragen, sich willig in ein System unterwerfen würden, das ihnen mit der Selbstbestimmung auch die Verantwortung für das eigene Leben nimmt.“Hannah Arendt

Hannah Arendt ist keine Social Media Theoretikerin, Sie beschreibt in Ihrem Zitat ein Leben in einem totalitären Staat. Interessant wie stark das Zitat auf das Leben mit den heutigen Maschinen und ihren Algorithmen übereinstimmt.

Ziel eines totalitären Staates ist immer die Bekämpfung von Privatsphäre, denn alles Private ist gefährlich. Die Privatheit ist der Keim für Andersdenkende und macht gesellschaftliche Entwicklung überhaupt erst möglich. Bisher haben totalitäre Staaten zumindest in der westlichen Bevölkerung versagt. Alle totalitären Regime wurden durch mehr oder weniger demokratische Strukturen ersetzt. Ausgerechnet aber Maschinen fördern genau die Entwicklung von totalitären Staaten unter völliger freiwilliger Teilnahme und Preisgabe aller privater Daten.

Die junge Generation Millennium schafft unsere Privatsphäre gerade freiwillig ab, in dem sie alle Ihre Gedanken in Maschinen der Facebook, Google, WhatsApp und YouNow ungefiltert weitergibt. Die Millennials betreiben Psychohygiene und Selbstreflexion, indem sie online und öffentlich den sie umtreibenden Erfahrungen, Gefühlen und Gedanken Ausdruck verleihen und sich mit ihrem realen und idealen Selbstbild auseinandersetzen. Sie offenbaren in ihren Profilen, Texten und medialen Artikulationen in einigen Fällen recht weitgehende Einblicke in ihre persönliche Gedankenwelt, ihre Lebensverhält- nisse und Aktivitäten. Sie schildern Emotionen und Konflikte, geben zum Teil recht intime oder problematische Details aus ihren Beziehungen und Familien preis.

„Die jungen Generationen, die alles online posten und in der Cloud leben, werden sich bald nicht mehr erinnern, dass es ein Konzept wie Privatsphäre einmal gegeben hat. Totale Transparenz durch Überwachungssysteme vom Smartphone, Smart Home bis zur Smart Search bedeutet den völligen Verlust dieser Privatsphäre.“ WDR5 Politikum

Die unglaubliche Macht der totalitären Algorithmen

Man könnte beinahe diesen Algorithmen unterstellen, sie wollten sich die Weltherrschaft an den Nagel reißen. Oder unter vorgehaltener Hand sich so tief in unsere sozialen Strukturen graben, dass eine demokratische Gesellschaft sich zwar fühle, als wäre Sie frei, sie hingegen aber alles andere als selbstgeleitet sei. Denn Autonomie hängt weniger von den Individuen ab, als dass sie zu großen Teilen auf der Gruppe um uns herum und auf den Rahmenbedingungen, in denen wir Autonomie entwickeln können, basiert.

Google wird in den Suchergebnisseiten mittlerweile mehr Trust zugesprochen als Banken oder Medien. Die Lügenpresse betreibe ja sowieso Propaganda und lasse die Nachrichten nur einseitig gefiltert passieren. Google könnte damit die Wahrheit komplett selbst nach belieben erzeugen und niemand würde die Ergebnisse in Frage stellen.

Wer aber Zugriff auf unser soziales System bekommt, hat die Macht über die Manipulation an der Wurzel unseres Vetrauens. Niemand stellt bspw. Facebook Posts von Freunden in Frage. Niemand hinterfragt die Korrelationen, mit denen bestimmte Beiträge in eine gewisse Reihenfolge gebracht werden und damit eine Chronalität schaffen, die den Rezipienten psychologisch manipulierbar macht.

Noch schlimmer wird es, wenn Algorithmen völlig der manuellen Kontrolle von Menschen entweichen.
„The Makers of Algorithms don’t know any longer, what their Algorithms do.“

Fazit

Lange Rede kurzer Sinn: Die Algorithmen werden immer autonomer. Dadurch, dass wir sie immer mehr in unser Leben lassen, werden wir immer abhängiger von dem, was sie über uns wissen. Dadurch werden wir in unserer Autonomie ähnlich wie in einem totalitären Staat immer weiter eingeschränkt. Was kein totalitärer Staat bisher auf Dauer geschafft hat, gräbt sich Stück für Stück in einer Salamitaktik in die Wurzeln der Gesellschaft, so dass bald nur noch die Algorithmen unseren Tagesablauf bestimmen und kontrollieren.

Eine Ähnlichkeit zu V.I.K.I. aus „I, Robot“ von Isaac Asimov ist gewollt…

… To be Continued, solange hier noch vier interessante Artikel aus der Vergangenheit:

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. …naja, mein Lieber, das ist ja alles im Ansatz nicht falsch, aber unterm Strich doch extrem verallgemeinert.
    Autonome Menschen waren noch nie die „Normalität“, sondern eine immer stärker gewordene Randerscheinung. Und dieses Phänomen ist, wie alle anderen natürlichen Entwicklungen auch, Fluktuationen unterworfen.
    Mal gibt es also mehr eigenständige und kompetente Menschen, mal etwas weniger – doch in der Summe sind diese Menschen immer nur eine statistische Maginalität…

  2. In dem verlinkten Podcast des WDR5 Politikum Magazins wird aber gerade die schwindende Anzahl der autonomen Menschen proklamiert, bzw. derer, für die Autonomie überhaupt noch ein Begriff ist. Darin wird ein Beispiel mit jungen und alten Fischer Generationen gegeben, der besagt, dass die jungen Fischer nur 4 statt 12 Fischarten vermissen, da sie die anderen 8 gar nie gekannt haben…

  3. Die Tragweite der Algorithmen geht ja noch viel weiter. Das gesamte Börsensystem funktioniert nur noch anhand von qualifizierten algorithmischen Berechnungen, die dem Broker so gesehen die Entscheidung abnehmen. Letztendlich entscheidet der Broker selbst, allerdings wird er stark von den Berechnungen geleitet. Auf diese Weise ließe sich das gesamte Wirtschaftssystem manipulieren.

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